Ich muss es ganz ehrlich zugeben, manchmal bin ich doch froh an der Uni Leipzig zu sein; gut, ok, zugegeben: sie ist nicht die beste Uni aller Zeiten (spätestens beim Wahlbereich und dessen ‘Platzverlosung, die ja angeblich im Sommersemester besser sein soll’ bekomme nicht nur ich das reinste Grausen) aber ich lerne wenigstes etwas und es gibt wirklich schlimmeres.
Und was? Haha, die Frage ist schnell geklärt: Die Universidade Católica Portuguesa an der ich glorreicherweise mein Erasmus-Semester ableisten darf. Und warum? Nunja, ich hole einfach mal ein bisschen aus: Was ist das was wir an der Grundschule, genauso wie an der Weiterführenden, immer gehasst haben? Permanente Anwesenheitspflicht, uninteressantes Unterrichstthema, falls das Thema dann doch interessant sein sollte der nervtötende Lärm im Klassenzimmer, ständiges auf der Stelle Treten etc pp. Und man denkt eigentlich, daß das Ganze mit der Uni aufhört: man studiert Das, was man interessant findet; Leute, die zu den Veranstaltungen kommen, kommen weil es sie interessiert; man kann sich konzentrieren
Ganz anders die Católica. Hier herrscht anscheinende genau das Gegenteil. Vom bolivianischen Schulunterricht bin ich ‘Frontaldidaktik’ ja ehrlich gesagt schon gewohnt, aber die Ineffizenz in der Wissensvermittlung, die hier herrscht ist absolut unübertroffen. Anbei ein paar Anekdoten:
Es ist Dienstag morgen, der Wecker treibt mich ausnahmsweise erst um 10.00h aus dem Bett, dennoch torkele ich schlaftrunken zur U-Bahn (wie genau ist hier am besten beschrieben) und setze mich, in der Uni angekommen, unauffälig an einen Fensterplatz. Die Dozentin beginnt ihrem Vortrag über die Geschichte der Literatur-Genres; für den Rest im Raum scheint ein unsichtbarer Countdown zu starten. Innerhalb der nächsten halben Stunde werden nun nach und nach die noch fehlenden 30 Schüler, pardon: Studierenden eintrudeln und sich vor ihre Handydisplays setzen, danach unterbricht die Dozentin ihren Monolog (der garnicht mal so uninteressant ist) weil sie bemerkt, dass die Wenigen, die sich mit der Materie befassen wollen, nicht in der Lage sind irgendetwas zu verstehen. Nicht weil sie zu undeutlich spricht; eher aufgrund des stetig steigenden Geräuschpegels, der inzwischen etwa 80 dB erreicht haben müsste. Kurz danach kehrt wieder etwas Ruhe ein, ein Handy klingelt und wird ignoriert. Zurück zum Vortrag. Nachdem sich die Dozentin nun ausführlich mit Almedeia Garrett befasst hat folgt ein Schauspiel, dass ich seit Jahren nichtmehr beobachten durfte. Eine nach der Anderen bequemen sich insgesamt 5 Gruppen vor die Tafel und halten überaus motivierte (؟) Vorträge über … (leider hat an einem unbekannten Punkt meine Konzentration derart nachgelassen, dass mein Hirn nichtmehr durch das Dickicht aus Nuscheln und Flüstern gelangen konnte und damit das Thema absolut an mir vorbeigegangen ist; anscheinend war es dennoch nicht so interessant – den Gesichtszügen der Referierenden nach zu urteilen). Wieder 20min später kommt wieder ein wenig Unruhe in den Saal, Es ist kurz vor 13.00 (Mittagspause) und die Namensliste wird vorgetragen. Und kaum dass man sichs versieht sitzt man schon wieder allein im ‘Klassenzimmer. Zu empfehlen: Português II, Di&Fr 11.30h-13.00h.
Eine fremde Sprache lernen ist nicht das aller leichteste auf der Welt. Und die beste Methode ist ganz einfach: sich unterhalten! Das sehe ich zum Glück nicht alleine so, auch unsere Dozentin im Kurs ‘Lingua Portuguesa para Extrangeiros’ (Portugiesische Sprache für Ausländer), Fr. Casanova, hat da einen guten didaktischen Ansatz: das einzige was gut ist, ist Konversation! Soweit bin ich noch d’accord. Nur dummerweise heißt Konversation für sie, dass sie redet und wir zuhören. Und so sitzt sie jede Stunde wieder vor uns und erzählt uns einen vom Pferd .. bzw eher von den Vorzügen Portugals und dem leckeren portugiesischen Essen. Zugegeben, es ist lecker, aber das heißt noch lange nicht, dass ich das im Sprachkurs hören will – erst recht, wenn sie die Geschichten jede Woche wiederholt. Das tollste dazu ist die Begründung: “Wir pauken Portugiesisch als Rache für die deutsche Grammatik” die sie als Linguistin lernen durfte …. soweit so gut. Vielleicht hört sich das Ganze jetzt leicht zu brutal an, zugegeben. Aber es gibt auch angenehme Stunden an der Uni. So zum beispiel mein Radio-Kurs, in dem ich zwar leider nicht komplett eingeschrieben bin (weil ich leider erst eine Woche nach Semesterbeginn nach Lissabon kommen konnte – Prüfungen sein Dank) aber dennoch als “Gasthörer” freundlich und nett direkt integriert wurde. Das hat allerdings nichts mit kulturellem Austausch zu tun, sondern vor allem mit Arbeit. Projektarbeit und Abgabetermine – au Backe, alter Portugiese – da sitzt man schonmal 5h am Rechner um die Gesprächfitzel aus- und aneinander zu schneide. Aber mit Erfolg (das gabs ja früher schon auf die Ohren).
So begnüge ich mich mal damit für heute. Morgen geht es zum letzten mal für diese Woche in den Uni-Kindergarten (immerhin ist schon Freutag – ähm, Freitag). Die nächste Präsentation steht an und unsere Gruppe darf sich mit einer kommunikationstheoretischen Brille auf zeitgenössische portugiesische Malerei schmeißen. Man bleibt gespannt.
Bis dahin, Gruß und Boa Noite,
Tags: Fenster mit Aussicht, Grundschule, Lissabon, Portugiesisch, Uni, Uni Leipzig, Universidade Católica Portuguesa
