Und es fing schon einmal schön an – wie jedes Wochenende schon gleich am Donnerstag (ist hier wohl so üblich). Nach der Uni gemütlich auf die Dachterrasse, mit Kaffee, Sandwich, Tee oder doch nem Bier [je nach Tagesform] und einer bombastischen Aussicht auf die Stadt. Den Tag Revue passieren lassen, ein gutes Buch und ein angenehmes Gespräch mit Freunden – das nenne ich mal jetzt schon ‘welch ein Wochenende’. Oh, fast hätte ich vergessen den Sonnenuntergang über der Stadt zu erwähnen.
Freitag gings zum letzten Mal in dieser Woche in die Uni (is ja klar); endlich endlich, nach langem Warten gibt es einen inhaltlich unanfechtbar guten Kurs. Da in ‘Comunicação Radiofónica’ ein neuer Modulabschnitt begonnen hat hat auch der Dozent gewechselt. Seine ersten Worte: “Jetzt wisst ihr ja schon mehr oder weniger wie Radio technisch funktioniert; ab heute kommt der Inhalt dazu!” Da kommt Motivation auf. Und nach der Stunde erst einmal gemütliches In-der-Bibliothek-sitzen-&-mit-portugiesischen-Kommilitonen-das-unvermeidliche-Referat-vorbereiten, schließlich lecker Kantinenmittagessen und ne Stunde in der Sonne brutzeln, Kaffee trinken und lesen – da macht Uni doppelt Freude.
Abends war … ja was war denn abends? Hm .. .. .. Ähm. Meine Erinnerung verblasst, achso, ja, na klar. Zuerst ruft natürlich der Magen, also was tun? Richtig: Freunde einladen und zu 4t kochen mit anschließender Video-Session. Depois wie gewohnt ins Bairro Alto, von da aus zu Fuß weiter zur nächsten Minimal-Party in irgendeinem mehr oder minder neuen Club. Mensch lerne
LEKTION 126b des lisboetischen Nachtlebens: gehe nie zu Fuß zu einer Disko von der du nicht genau weißt, wo sie ist.
Nach etwa 45 Minuten munterem durch-die-Gegend-Laufen-und-andauernd-nur-gesagt-bekommen-dasz-wir-gleich-da-sind war meine Laune im Keller und die Füße zu platt um noch ordentlich das Tanzbein schwingen zu können. Dachte ich jedenfalls. Nach einer kleinen flüssigen Stärkung [endlich angekommen, darauf darf mensch ja was trinken, wa?] waren wir alle absolut Baff. Alles vibriert. Die Wände vibrieren. Der Boden vibriert. Die Luft vibriert. Die Menschen vibrieren. Du vibrierst. Ich vibriere. Alles vibriert. Aus den Bass-Boxen röhrt ein fetter 4tothefloor mit schicken Breaks. Der Pöbel tanzt & wir schmeißen uns zum Baden in die Menge. Obacht. Wir stellen uns direkt vor die Boxen und können uns wunderbar unterhalten? Was geht? Das letzte Mal ist mir sowas in einem schrecklich schlechten Indie-Club in München passiert, allerdings lag das an der übermäßig vorsichtigen Lautstärke, die die Jungs und Mädels da in die Lautsprecher schickten; doch hier flimmerte die Luft vor ‘damned good vibes’ dasz allein vom Zuschauen die Extremitäten in Bewegung kommen. Hossa hossa hossa. Dat is mir ooch noch nüscht passiat, wa?
Etwa 6h später mit einer kleinen Mütze Schlaf (2h kann mensch nur eine ‘kleine’ Mütze nennen) sitzen wir im Taxi. Wir sind spät. Eine Freundin und ich sind auf dem Weg zum Konzert eines Freundes, das im Museo Nacional de Azuleijos stattfindet. Klassische Musik in einer ehemaligen Klosterkirche und das auch noch für umme. Anschließend im Restaurant um die Ecke fetten Bacalhão mit fett vielen Pommes und fett vie Fett. ein Glück, dasz Fett Geschmacksträger ist und ich in den letzten Tagen aufgrund von Stress so oder so zu wenig gegessen habe. Sich Gedanken über die eigene Figur zu machen zeugt ehrlich gesagt auch eher von unzufrieden mit dem eigenen Leben als mit dem eigenen Körper. Und momentan bin ich wohl alles andere als unzufrieden damit. Weiter im Text.
Samstag gibt es einen weiterer fester Termin in der lisboetschen Agenda: die Feira de Ladra, eine Art Flohmarkt mit Krims und Krams, Büchern, Taschen, Klamotten, Schallplatte (in einem oder mehreren Stücken, nach Gusto und Geldbeuteln), Spielzeug, Kisten, Krawatten, Autoteilen, Teppichen, handicraft, Syphilis auf Wunsch, Uhren, gestohlenen Kameras, Handys gleicher Art, Schrott, Kunst und Krempel. Von 09:00h bis 17:00h drängen sich die Menschenmassen zwischen den Buden, Ständen und der auf am Boden liegenden Tüchern ausgebreiteten Ware hindurch, mit dem Ziel noch etwas ‘originelles’ und ‘nützliches’ zu erwischen. Da sich das Ganze nur zwei Straßen von meinem Haus entfernt abspielt komme ich leider fast nie drum herum dorthin zu gehen und einen kleinen Spaziergang (Spazierquetschen wäre wohl ein besseres Wort) zwischen Trash und Schrott zu wagen. Und tatsächlich fanden wir dort einE neueN BegleiterIn, sie/er lag, in Plastik gewickelt, auf einem staubgrauen Tuch und lächelte uns mit ihrem/seinem unvergleichbaren Plaste-und-Elaste-Grinsen an. Für nen Øre konnten wir sie/ihn natürlich nicht liegen lassen und haben angefangen sie/ihn zu kultivieren. Inzwischen hat sie/er schon einen Vornamen: Batrikse (genauso gesprochen wie menschs schreibt); und weiß wie mensch Kaffee zu sich nimmt. Unser Fundstück Beatrikse ist also seit heute unserE neueR BegleiterIn.
Die Feira de Ladra ist vorbei, die bica getrunken, das pastel de nata gefuttert, also ab mit der ‘legendären’ Straßenbahnlinie Electrífico 28 ins Bairro Alto -shoppen, shoppen, shoppen, sollte mensch sich denken, denn hier laden nachmittags unzählige kleine Klamotten-, Platten-, Kleinzeugs-, Kunst- und Lifestileläden zum gemütlichen Bummel und Plausch ein; jedoch war irgendwie außer einem kleinen T-Shirt nix für mich dabei. Schade eigentlich, aber hierher kann mensch ja noch öfter kommen, so viele Möglichkeiten kann mensch an einem Tag auch garnicht schaffen ohne vor lauter Hetzerei Wahnsinnig zu werden. Gemütliches Suchen passt außerdem auch viel besser zur ‘Romanischen Welt” (wie ein leipziger Dozent das so passend beschreibt; und er hat Recht, die Uhren ticken hier wirklich anders). Verschieben wir den sinnlosen Konsum also auf einen anderen Tag. Bereiten wir uns lieber auf den Abend vor und schmeißen uns in Schale, denn immerhin ist Samstag und das Wochenende noch lange nich vorbei. Bevor jedoch nun wieder ein sinnloser Absatz über Geschehnisse und Nichtgeschehnisse an einem Abend wie vielen anderen auch kommt, springen wir doch einfach ein paar Stunden vor. Mensch nehme an, es ist 6.30h, die Vögel zwitschern schon, das Tanzlokal schließt die Pforten und mensch steht hungrig und müde an irgendeiner Ecke in Lissabon, an der mensch noch nie zuvor gewesen ist. Was ist zu tun? Auf zum Cais de Sodré, der Nachtfressmeile schlechthin. Mit 1½ offenen Augen wanken wir zur Kasse, vor lauter Wasser, das sich vor Hunger im Mund sammelt, bekommen wir kaum noch die Bestellung heraus; aber ein Glück, die russische Kassendame ist wohl an ein dahergestammeltes ‘Um caldo verde e um pão com chorizo, faça favor’ gewöhnt und serviert das bestellte mit geübtem Schwung auf einem viel zu großen Tablett. Mmmmmhh .. sagte ich schon, dasz portugiesischen Essen eine wundervolle Erfindung ist? Ein leckeres Gemüse-Salami-Eintopf-Söszchen gereicht an delikatem Salami-Brötchen frisch aus dem Ofen. Ai, que rico.
Oh, Sonntag, Ausschlaftag. Die Sonnenstrahlen blenden mich beim Aufstehen (und das bei einem Fenster gen Westen), die Kirche nebenan frohglockt vor sich hin, das Fenser mit Aussicht verschafft einen liebreizenden BLick auf das Treiben auf der Straße. Jetzt wäre eigentlich ein Kaffee am Príncipe Real passend; klasse, da schreibt auch schon gleich jemand, ob wir genau das machen wollen. Fantastisch, also hin in den Park und eine meia de leite geschlürft. So lässt sichs Leben, welch ein Wochenende.
Und hier wieder was auf die Ohren – diesmal feinstes argentinisches Audiomaterial zum Ausklang…
Bis demnächst und Boa Noite,
Tags: Alltag, Beatrikse, Erasmus, Essen, Feira de Ladra, Fenster mit Aussicht, Fundstück, Kneipe, Lissabon, Nachtleben, Photo, Sonnenuntergang, Uni, Universidade Católica Portuguesa, was auf die Ohren, Wochenende





8. April 2009 um 12:57 pm
ICH MAG BEATRIKSE, derdiedas ist jawohl voll super, aber nicht ganz so grandios wie deine Wochenendbeschreibung!!! Morgen abend fängt ja schon wieder ein Neues an & ich warte auf Rapport.
Lasses Dir gut gehen Meiner (aber das machst du ja eh), ich freu mich das du ne feine Zeit hast.
Liebste Grüsze nach LI aus LE!